TABĀDUL
Kunstobjekte, der Wandel ihres Kontextes und die Frage nach Interkulturalität
Teilnehmer_innen des Workshops im Rahmen des Kunstgeschichte Festivals der Universität Wien, Mai 2016.

Ein Beispiel für die gesellschaftliche Relevanz von Projekten der Kunst- und Kulturvermittlung. 2016

 

Der arabische Begriff „Tabadul“ bedeutet Austausch. Austausch auf Augenhöhe stand dann auch im Mittelpunkt des Kunstvermittlungsprojektes von Pia Razenberger. Die junge Kunsthistorikerin mit Forschungsschwerpunkt islamische Kunstgeschichte erarbeitete über mehrere Monate hinweg mit vier jungen Männern syrischer Herkunft Kurzreferate zu Kunstwerken aus dem islamischen Kulturkreis. Herausragende Beispiele in der Sammlung des Dom Museum Wien sind der kostbare Gold-Seide-Stoff der Grabhülle Rudolf des Stifters und die syrischen Glasflaschen. Was diese Kunstwerke verbindet, ist der Schmuck mit arabischer Schrift und die spannende Erkenntnis, dass sie in unterschiedlichen kulturellen Kontexten mehrfach verwendet wurden. 

Am 20. Mai 2016 fand schließlich ein Workshop im Rahmen des Kunstgeschichte Festivals der Universität Wien statt. Die jungen Männer traten dabei als Experten für ihren Kulturkreis auf und präsentierten ihre Referate einem Publikum von Wiener Studierenden der Kunstgeschichte. Im Anschluss lud Pia Razenberger zu einer Diskussionsrunde, bei der es ausgehend von den persönlichen Integrationserfahrungen einer jungen Syrerin um die kritische Reflexion des Begriffes Kultur, des Eigenen und des Fremden, ging. 

Mit dem Projekt „Tabadul“ ist es gelungen, den Blick vom Flüchtlingsstatus weg auf die speziellen Kompetenzen der neuen Mitbürger_innen zu lenken. Das Team bekam Einblick in das österreichische Universitäts- und Bibliothekssystem, in die Methoden der – häufig eurozentristischen – Kunstgeschichte, verbesserte die Deutsch-Kenntnisse und vernetzte sich mit anderen Studierenden. 

Die Wiener Studierenden wiederum konnten sich mit Menschen arabischer Herkunft, mit arabischer Schrift und Sprache auseinandersetzen und sich für die Unterscheidung zwischen arabischer und islamischer Kultur sensibilisieren. 

Projektteam: Yara Alhajali, Mohammad Alzain, Belal Karkour, Srour Khalaf, Anas Samman 
Projektleitung: Pia Razenberger, M.A. 
Die Durchführung dieses Projektes wurde vom Otto Mauer Fonds gefördert.

Projektbericht Tabadul
Herunterladen
Sprachbilder
Ein kunsttherapeutisches Projekt für Geflüchtete; Sommer 2018
Participants in the ”Sprachbilder” project.<br />
Photos: Teilnehmer_innen des Projektes ”Sprachbilder”, im Dom Atelier.<br />
Fotos: Heike Jeromin

"Sprachbilder“ richtete sich an geflüchtete Menschen unterschiedlicher Herkunftsländer. Das Projekt fand im Sommer 2018 an fünf aneinander folgenden Donnerstagen im Dom Atelier des Dom Museum Wien statt. Kontinuierlich beteiligt haben sich sieben Personen. 
Ausgehend von der aktuellen Ausstellung im Dom Museum Wien „Bilder der Sprache und Sprache der Bilder“ bildete die künstlerische Auseinandersetzung mit Sprache das zentrale Thema des Projektes. Mit kreativen Medien konnten die Teilnehmer_innen ausdrücken was sich oft nicht in Worte fassen lässt. 
  
Das Projekt bot die Möglichkeit, aus dem belastenden Alltag auszusteigen und Kraft zu tanken. Es durfte experimentiert und gelacht werden, und das gemeinsame Malen, Gestalten und Musizieren trug zur Entspannung und zum Ausgleich bei. 
Die Ausstellungsobjekte und deren Geschichte regten zum kulturellen Austausch auf gestalterischer und verbaler Ebene an. Die Teilnehmer_innen freuten sich darüber bei den Bildbesprechungen Farben und Objekte benennen zu können und halfen sich gegenseitig dabei. Die vermittelten Mal- und Gestaltungstechniken mit Ölkreiden, Acrylfarben, Grafit, Wasserfarben und Collagen wurden in Einzel- und Gruppenarbeiten angewendet. Das Gestalten von Gemeinschaftsbildern und das Musizieren auf den bereitgestellten Rhythmusinstrumenten förderten die Interaktion - es wurde eine gemeinsame „künstlerische“ Sprache gefunden um kulturelle und sprachliche Grenzen zu überwinden. 

„Sprachbilder“ ist ein Freiwilligenprojekt des Caritas Bildungszentrum Wien (CarBiz) in Kooperation mit dem Dom Museum Wien.  
Projektteam Caritas Bildungszentrum Wien:  
Heike Jeromin, Projektleitung  
Natascha Kaiser, Projektleitung  
Gudrun Schlosser, Freiwilligenkoordination  Carbiz 
Dom Museum Wien: 
Katja Brandes, Leitung Kunstvermittlung 
Pia Razenberger, Kunstvermittlung

DEM ZENTRUM SO NAH
Workshopreihe in Kooperation mit Einrichtungen, die Menschen mit Demenz betreuen 2017/2018
Teilnehmer_inen der Workshopreihe ”Dem Zentrum so Nah”, im Dom Atelier.

Ziel der Workshopreihe ist es, Lebenserinnerungen der Teilnehmer_innen in die Gegenwart zu holen und so auch den Menschen ins Zentrum zu rücken, um ihn - auch  für sich selbst - ein Stück sichtbar zu machen. Unter Einbeziehung aller Sinne steht das Erleben und Erfahren im Moment im Mittelpunkt. Das Programm fördert die kulturelle Teilhabe an der Gegenwart und die Wahrnehmung der Veränderungen im Stadtbild. 
Neben den Kunstgesprächen eröffnet das kreative Tun im Dom Atelier Möglichkeiten, der Persönlichkeit Ausdruck zu verleihen. 
  
Die Kunstvermittler_innen nutzten das Pilotprojekt, um Erfahrungen für kunstvermittlerische Prozesse zu sammeln. Wie werden die Angebote von an Demenz erkrankten Menschen angenommen und wahrgenommen? Wie eignen sich die Räumlichkeiten und Inhalte des Dom Museum Wien zur Arbeit mit Menschen mit Demenz? 

Dokumentation des Pilotprojektes Dom Museum Wien in Kooperation mit dem Tageszentrum Caritas Socialis Wien 23 .  
Durchführung: Oktober 2017 bis Jänner 2018 
Kunstvermittlerinnen: Lucie Binder Sabha, Adelheid Sonderegger, Doris Weidacher

Dokumentation Projektbericht "Dem Zentrum So Nah"
Herunterladen