Selbstporträt als Rembrandt II
Selbstporträt als Rembrandt II 1969 od. 1970 Arnulf Rainer (* 1929 Baden bei Wien) Sammlung Otto Mauer Leni Deinhardstein, Lisa Rastl, Dom Museum Wien
Arnulf Rainer (* 1929 Baden bei Wien)
1969 od. 1970
Objektart
Zeichnung
Material
Ölkreide, Bleistift, schwarze Kreide auf belichtetem Fotopapier
Sammlung
Dom Museum Wien, Sammlung Otto Mauer
Inv.Nr.
OM/1550
Mischtechnik
Grafik
Moderne und Gegenwartskunst
Derzeit ausgestellt
Foto
Leni Deinhardstein, Lisa Rastl, Dom Museum Wien
Selbstporträt
Die radikale Auseinandersetzung mit alter und neuer Kunst durch das Übermalen der vorhandenen Substanz ist ein typisches Merkmal Arnulf Rainers und des Kunstbegriffs nach 1945.
Zu sehen ist das Schwarz-Weiß-Porträtfoto eines Mannes. Das Foto wurde im Gesichtsbereich mit roter und gelber Wachskreide mit großteils horizontalen Strichen übermalt; individuelle Züge sind nicht mehr erkennbar. Dem Porträt wird dadurch das Porträthafte – die Ähnlichkeit mit einer konkreten Person – genommen. Lediglich die Signatur links unten verrät die Identität des Abgelichteten: "Arnulf Rainer als Rembrandt II". Sowohl die Körperhaltung als auch die lockigen Haare von Rainers Selbstporträt erinnern an Rembrandt van Rijns barocke Selbstbildnisse.
Der österreichische Künstler Arnulf Rainer ist für derartige Übermalungen von eigenen und fremden Werken bekannt. Ausgangspunkt sind meist fotografische Reproduktionen von Arbeiten bekannter Künstler wie Leonardo da Vinci, Tizian oder Vincent van Gogh. Von einigen Künstlerkolleginnen und -kollegen bekommt er sogar Originale zur Übermalung zur Verfügung gestellt. Rainer tritt auf diese Weise in direkten Dialog mit alter und neuer Malerei. Die Übermalung, die einmal gestisch-expressiv, einmal überlegt-beruhigt wirkt, kann verschieden gedeutet werden: Einerseits hebt sie vorhandene Strukturen hervor und unterstreicht im wahrsten Sinn des Wortes Teile des Werkes – Rainer selbst spricht von "Vervollkommnung" des Bildmaterials. Andererseits löscht sie jedoch auch aus und überschreibt die Kunstgeschichte, damit neue Kunst entstehen kann.