Wer nicht schreiben kann, der glaubt nicht, was für eine Mühe es ist. Es trübt die Augen, es quetscht die Nieren, und bringt zugleich allen Gliedern Qual. Drei Finger schreiben, doch der ganze Körper leidet“, so beschreibt ein Mönch im 9. Jahrhundert seine Tätigkeit.

Fällt beim Rundgang durch das Dom Museum Wien der Blick auf das kostbare Evangeliar aus eben dieser Zeit, so erstehen vor dem geistigen Auge jener Schreiber, der ohne künstliches Licht die Buchstaben auf die vorgeritzten Zeilen der Pergamentbögen setzte. Dafür durfte er auch dem Stundengebet fernbleiben und bekam Gutpunkte für den Himmel.