Sphinx
Sphinx
Sphinx

Alfred Kubin (1877 Leitmeritz [Litomerice], Böhmen; + 1959 Zwickledt, Oberösterreich) 1877 Leitmeritz/Böhmen - 1959 Zwickledt/OÖ
1902/03

Material
Tuschfeder auf Papier

Sammlung
Dom Museum Wien

Inv.Nr.
OM/1133

Tusche
Zeichnung
Moderne und Gegenwartskunst

Derzeit ausgestellt

Anfrage
Bildrechte
Leihanfrage

Foto: Leni Deinhardstein, Lisa Rastl, Dom Museum Wien
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ein mythologisches Wesen

Die düstere Darstellung der hockenden Sphinx ist typisch für das Frühwerk Alfred Kubins. Durch unterschiedliche Techniken erreicht er den differenzierten Eindruck von Licht und Schatten.

Die Grafik zeigt eine Sphinx, ein Fabelwesen aus der griechischen Mythologie, das sich aus einem geflügelten Löwenkörper und einem Frauenkopf zusammensetzt. Der Legende nach lauerte sie Reisenden in der Nähe von Theben auf und gab ihnen ein Rätsel auf. Nur wer es lösen konnte, durfte passieren – wer nicht, wurde verschlungen.

Die Sphinx ist hockend im Profil dargestellt und scheint auf Vorbeikommende zu warten. Die Figur füllt das extreme Hochformat beinahe gänzlich aus: Die Knie sind abgeschnitten, wodurch die Szene beengt wirkt. Der Kopf fällt im Vergleich zum restlichen Körper recht klein aus; ihren Hals hat die Sphinx weit nach vorne gestreckt. Die Fußstellung lässt vermuten, dass sie an einer Wand oder Ähnlichem lehnt. Detailliert sind an den Oberschenkeln und der Brust einzelne Haare dargestellt, ansonsten ist die Sphinx eher schemenhaft gehalten. Auch der Hintergrund ist nicht näher definiert. Das Werk ist eine Mischung aus mehreren Techniken: Es wurde gezeichnet, schraffiert, gemalt und gespritzt. Dadurch ergibt sich die differenzierte Hell-Dunkel-Wirkung. Die Darstellung eines düsteren fantastischen Wesens ist typisch für das Frühwerk des Künstlers. Viele um 1900 entstandene Zeichnungen Kubins wirken wie (alp-)traumhafte Visionen: Dämonen und die Themen Angst, Bedrohung und Tod dominieren sein Werk. Beeinflusst ist er außer von Künstlern des Symbolismus wie Max Klinger und Odilon Redon auch von Hieronymus Bosch und dessen rätselhaften Fabelwesen.

Das Werk ist rechts unten signiert. Die Widmung „Sphinx – zum 24.12.45 für Professor Dr. Otto Mauer –“ hat Kubin auf einem Karton hinterlassen, auf den das Blatt geklebt ist. Es handelt sich wohl um ein Weihnachtsgeschenk für den geistlichen Kunstliebhaber, mit dem Kubin von 1941 bis zu seinem Tod 1959 eine tiefe Freundschaft verband. Seine Werke machen den größten Teil der Otto-Mauer-Sammlung aus: Sphinx ist eines von mehreren hundert Werken aus diesem Bestand.