Schreinmadonna
Schreinmadonna
Schreinmadonna
Schreinmadonna
Schreinmadonna
Schreinmadonna

Wiener Bildhauer
um 1420-30

Material
Weichholz, polychromiert

Sammlung
Dom Museum Wien
Leihgabe der Pfarre Schwarzau am Steinfeld, Niederösterreich

Inv.Nr.
L/26

Holz
Skulptur
Mittelalterliche Kunst

Derzeit ausgestellt

Anfrage
Bildrechte
Leihanfrage

Foto: Leni Deinhardstein, Lisa Rastl, Dom Museum Wien
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Eine gotische Schutzmantelmadonna

Schreinmadonnen waren im Mittelalter sehr beliebt, denn sie zeigen nicht nur Maria als Ursprung der Dreifaltigkeit sondern auch ihre Aktivität als Beschützerin der Gläubigen.

Obwohl die Schreinmadonna – oder „Vierge ouvrante“, wie sie in ihrem Ursprungsland Frankreich genannt wird – bis ins 16. Jahrhundert eine überaus beliebte Bildform war, sind heute nur etwa 45 erhaltene Exemplare bekannt. Die Madonna aus dem frühen 15. Jahrhundert im Dom Museum Wien gleicht dem Typus nach jenen aus dem Deutschordensgebiet: Im geschlossenen Zustand ist die Muttergottes auf einem von Engeln getragenen Thron dargestellt; die linke Hand hielt ursprünglich vermutlich ein Zepter, die rechte Hand stützte wohl eine Jesusfigur. Sie ist in goldenes Gewand gehüllt, ihr Kopf ist leicht geneigt, und der Blick richtet sich in eine unbestimmte Ferne. Öffnet man diese Mischung aus Skulptur und Schnitzretabel, ist Maria als Schutzmantelmadonna zu sehen: Sie breitet ihre Arme über die Frauen zu ihrer Rechten und die Männerfiguren zu ihrer Linken aus, unter denen beispielsweise ein Papst, ein Kanoniker und ein Bischof zu erkennen sind. Diese Figuren wurden nicht wie sonst üblich gemalt, sondern als Relief ausgeführt. Im Schreininneren hat der Bildhauer zur Darstellung der Dreifaltigkeit das (sehr beliebte) Motiv des Gnadenstuhls gewählt, wobei sowohl Kruzifix als auch Taube heute verloren sind. Obwohl nur noch der thronende Gottvater zu sehen ist, lässt sich noch gut nachvollziehen, wie einst das Kreuz auf seinen Händen und Beinen auflag. Das Werk ist sehr gut erhalten, allerdings nicht in seiner ursprünglichen gotischen Fassung, da es im Barock in einer Weise übermalt wurde, die künstlerischen Eigenwert besitzt.

Außergewöhnlich ist die Konsequenz, mit der die formale Verbindung zwischen Maria und Gottvater gelöst wurde: Ihre Hüften bilden gleichzeitig seine Schultern, sie sind untrennbar verbunden. Andere Exemplare sind in diesem Punkt weitaus weniger überzeugend realisiert. Begreift man den Schrein als den Leib Mariens, so wird sie hier als Gottgebärende präsentiert, die die Trinität in sich trägt.