Marter des heiligen Kassian
Marter des heiligen Kassian
Marter des heiligen Kassian
Marter des heiligen Kassian
Marter des heiligen Kassian
Marter des heiligen Kassian

nach Paul Troger
1760

Material
Öl auf Leinwand

Sammlung
Dom Museum Wien

Inv.Nr.
I/24

Ölmalerei
Ölgemälde
Barock

Derzeit ausgestellt

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Bildrechte
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Foto: Leni Deinhardstein, Lisa Rastl, Dom Museum Wien
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Marter des hl. Kassian

In der Nachfolge von Paul Troger entstand dieses stark bewegte Bild des hl. Kassian, der von seinen Schülern mit Schreibgeräten ermordet wird.

Welches Drama spielt sich in diesem spätbarocken Werk ab! Ein Mann wird zu Tode gefoltert. Noch dazu von Kindern in der Art pausbäckiger Barockengelchen. Geschildert wird die Marter des heiligen Kassian aus Imola, der in frühchristlicher Zeit als Schulmeister die christliche Lehre verbreitete. Von den Eltern angezeigt, wurde er von seinen heidnischen Schülern mit Eisengriffeln (mit denen man im Unterricht in Wachstäfelchen ritzte) zu Tode gequält.

Kassian ist vor einem antiken Gebäude fast unbekleidet schräg ins Bild gesetzt, an Armen und Beinen mit Seilen an kleinen Pflöcken und einer Säule festgezurrt, aufgespannt wie ein Segel. Von allen Seiten bearbeiten ihn die Schüler mit ihren Marterwerkzeugen. Eine Mutter stachelt sie noch an. Sie weist auf Kassians Herz, dem ein Knabe wie ein Fechter den endgültigen Todesstoß zufügt. Hinter dem weißbärtigen Kopf des Heiligen erhebt ein Kind die Hand mit einem Schreibtäfelchen zum Schlag. Die Tafel erinnert zusammen mit der Kreuzform des Daliegenden und dem Stich in die Brust an die Kreuzigung Jesu. Im Vordergrund links zeichnen sich die Umrisse einer antiken Götterstatue ab, vor der Schale, Messer und ein Opferlamm bereitliegen. Ist Kassian selbst gemeint mit dem Opfer für jene Götter, die er zu Fall bringen wollte? Über dem irdischen Drama schweben friedlich kindliche Engel, die den Heiligen mit dem Palmzweig des Märtyrers und der Krone des ewigen Lebens in den Händen erwarten.

Der Entwurf war eines der letzten größeren Werke des alternden Malers Paul Troger (1698–1762). Als Lehrer an der Wiener Akademie der bildenden Künste hatte er viele Schüler und prägte die Entwicklung der Malerei bis um die Mitte des 18. Jahrhunderts mit, als die Werke Franz Anton Maulbertschs begehrter wurden als seine und die seiner Werkstätte. Hat Troger mit der präzisen Schilderung menschlichen Leides hier möglicherweise auch seine eigene „Vernichtung“ durch eine nachfolgende Generation wiedergegeben?