Zwettlerhof

Seit 1973 ist das Dom Museum Wien in der ehemaligen Wohnung des Dompropstes im ürsprünglich als „Zwettlhof“ bezeichneten Zwettlerhof untergebracht. Dieser historische Gebäudekomplex liegt zwischen dem Stephansplatz und der Wollzeile und damit im Herzen Wiens: Auf der einen Seite am geistig-religiösen Mittelpunkt, auf der anderen Seite mitten im Gassengewirr weltlicher Geschäftigkeit. Diese verbindende Position wird durch die beiden öffentlichen Durchgänge symbolisch und praktisch offenbar.

Der Name des Hofes geht bis ins 14. Jahrhundert zurück und ist historisch eng mit den damaligen Bestrebungen verbunden, Wien und die Stephanskirche aufzuwerten, sie architektonisch und organisatorisch zu einer zentralen Stätte zu machen. Der Name leitet sich vom Stift Zwettl ab, in dessen Besitz der um 1244 errichtete Hof 1303 kam, nachdem das ursprüngliche Haus der Zwettler dem Neubau des Chores der Stephanskirche zum Opfer gefallen war. 1361 übernahm Herzog Rudolf IV. den Hof in einem Tauschgeschäft: Der Stifter benötigte für seine frisch nach St. Stephan übertragene Propstei Wohnräume für Propst und Domherren. Zu diesem Zweck ließ er den Hof, der in den darauffolgenden Jahrhunderten oft neu aufgebaut und renoviert wurde, auf seine Kosten umgestalten. Dieser neue Komplex blieb nun im Besitz der Propstei und schließlich des Erzbistums. Im 19. Jahrhundert wurde die historische Substanz abgebrochen und 1844 neu erbaut. Nun erhielt der Komplex auch die beiden öffentlichen Durchgänge, die ihn für das Stadtbild des 1. Bezirks prägend machen.

Als das Dom Museum Wien 1973 den ersten Stock des Zwettlerhofs bezog, erhielt es damit einen Ort, der in einem starken räumlichen und optischen Dialog mit Dom und Stadt steht.

Der Umbau 2013-2016

Seit 1973 ist das Dom Museum Wien in der ehemaligen Propstwohnung im Zwettlerhof untergebracht. Der Wohnungscharakter – die Beschränkung auf ein Geschoss mit einem eher verborgenen Eingang – blieb dabei erhalten, die Verbindung zum Dom durch die Fensterfront im 1. Stock hin hergestellt.

Die ab 2013 stattfindende Neukonzeption verwirklichte den Wunsch nach einer Öffnung zur Stadt und einer stärkeren Präsenz im Stadtbild: Zwischen den auf den Stephansplatz mündenden Passagen entstand ein weiter, transparenter Raum, ein offener, heller und nahtloser Übergang von der Stadt ins Museum. Der Umbau von Boris Podrecca verbindet eine räumliche Erweiterung mit einer optischen und architektonischen Öffnung des Museums. Transparente Materialien und zurückgenommene Farben halten die Architektur im Hintergrund und betonen die Objekte. Eine weite, fließende Spirale – Podrecca bezeichnet sie als „figura serpentinata“ – verbindet die beiden Geschosse: Optisch und praktisch öffnen Wendeltreppe und gläserner Lift die Räume für Besucher und laden auch zufällige Passanten zum Besuch des Museums ein.

Die Ausstellungsfläche im ersten Stock oszilliert zwischen der verwinkelten Raumwirkung alter Bausubstanz und weiter Offenheit zum Stephansplatz hin. Auf der einen Seite sind die Preziosen des mittelalterlichen Domschatzes wie in Schmuckkästchen geborgen, auf der anderen Seite bietet ein weiter Raum den Wechselausstellungen eine flexible Plattform. Zwischen dem Kapellenraum und der offenen Fassade zum Platz füllt das Dom Museum Wien seine Rolle zwischen Sakralraum und einem Ort der Begegnung aus und ermöglicht jeden erdenklichen Zugang zu den Objekten.

Fotoprojekt Hubert Lobnig
2014 bis 2017

Der Künstler Hubert Lobnig hat den Umbau des Museums von Anfang bis Ende fotografisch begleitet.